Mit der Senatorin unter Wasser: Wie Tauchen Teilhabe möglich macht

Am 4. September wagte Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie bei einem Angebot des SJC Wedding den Gang ins Wasser – und erlebte, wie Tauchen Kindern und Jugendlichen Mut, Selbstvertrauen und Teilhabe schenkt.
Flossen an, Maske zurechtrücken, ein letzter Blick zum Tauchlehrer – dann ging es ins Wasser. Zwischen den Jugendlichen, die am Ferienprogramm „Mein bewegter Sommer“ teilnahmen: die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Katharina Günther-Wünsch. Auch sie tauchte ab, ließ sich auf die Stille und Schwerelosigkeit ein, angeleitet von Projektleiter Abdallah Alsafadi. Unter Wasser wurde spürbar, was sonst oft abstrakt klingt: Teilhabe ist kein Schlagwort, sondern ein Gefühl – unmittelbar erlebbar, wenn Jugendliche Zugang zu besonderen Erfahrungen haben, die sonst unerschwinglich wären.
Warum Tauchen?
Tauchen ist mehr als ein Sport. Für Jugendliche – gerade aus herausfordernden Lebenslagen – bedeutet es: Abtauchen in eine andere Welt, fern des Alltags. Es fördert Mut, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen, Teamgeist zu leben, Stress zu regulieren, Disziplin und Konzentration zu entwickeln.
Das war das schönste Gefühl meines Lebens, erzählt ein Jugendlicher nach seinem ersten Tauchgang.
Faszination unter Wasser
Wer taucht, erlebt Schwerelosigkeit – fast wie Fliegen. Statt des ständigen Lärms herrschen Ruhe und Stille, man hört nur das eigene Atmen. Gleichzeitig öffnet sich eine völlig neue Welt: Farben, Lebewesen, Abenteuer. Viele Jugendliche überwinden dabei Ängste, von denen sie zuvor nicht wussten, dass sie sie hatten – und sind umso stolzer, wenn sie sie gemeistert haben.
Kompetenzen, die Tauchen stärkt
- Regeln einhalten und Verantwortung für Material und Sicherheit übernehmen
- Atmung kontrollieren, Bewegungen steuern, zur Ruhe kommen
- Miteinander kommunizieren: Handzeichen geben, klare Absprachen treffen
- Erfolgserlebnisse, die stärken: Ich kann das schaffen.
Teilhabe ermöglichen
Tauchen ist eine exklusive und teure Sportart. Ein regulärer Tauchschein kostet zwischen 400 und 600 Euro. Für viele Jugendliche wäre das unerschwinglich. Damit auch sie Zugang bekommen, bietet die GSJ stark vergünstigte oder kostenfreie Teilnahme, kleine Gruppen und Mitbestimmung bei der Gestaltung der Angebote. Exklusive Sportarten sollen nicht wenigen vorbehalten bleiben, sondern allen Jugendlichen offenstehen.







Nikitas Weg unter Wasser
Nikita kam als Kind aus der Ukraine nach Berlin. Er fand den Weg in den SJC Wedding und hörte von den Tauchangeboten. Sofort stand für ihn fest: Da will ich dabei sein. Doch ein Problem schien alles zunichtezumachen – Nikita konnte nicht schwimmen.
Die Enttäuschung war groß. Aber er nahm das Angebot an, im Schwimmkurs des Projektleiters des SJC, Abdallah Alsafadi, die nötigen Abzeichen zu machen. Mit Ausdauer und Ehrgeiz gelang ihm das in kurzer Zeit. Bald stand er nicht nur mehr am Beckenrand, sondern tauchte selbst ab. Schon beim ersten Tauchgang spürte er, dass er hier etwas gefunden hatte: Stille, Schwerelosigkeit, Selbstvertrauen.
Nikita wollte weitergehen. Am Tag des Besuchs der Senatorin absolvierte er den ersten Teil seiner Tauchscheinprüfung. Damit ist er auf dem besten Weg, selbst als Helfer in den Tauchangeboten mitzuwirken – vom Teilnehmer zum Teamer, vom Besucher des SJC zum Helfer.

Was daraus entsteht: Win-win für Nikita und den SJC
Für Nikita: Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und die Erfahrung, dass er sein Leben aktiv gestalten kann.
Für seine Integration: Freundschaften, Sprache, Anerkennung – und eine Rolle, in der er Verantwortung übernimmt.
Für den SJC: Ein engagierter Helfer, der andere Jugendliche inspiriert und zeigt: Sportliche Chancen können für alle zugänglich sein.
So wird aus einer vermeintlichen Hürde – „Ich kann nicht schwimmen“ – eine Erfolgsgeschichte. Tauchen öffnet nicht nur den Blick in eine andere Welt, sondern auch neue Wege im Leben.





Fotos: Felicia Feith
Tags:MeinbewegterSommer, SJC Wedding, Tauchen, Teilhabe, Wassersport




