Tanz, Haltung und politische Verantwortung: One Billion Rising am Brandenburger Tor

Geschrieben von lauriac am in Allgemein

Der 14. Februar ist für viele ein festes Datum im Kalender. Für die GSJ und zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteurinnen ist One Billion Rising weit mehr als ein Aktionstag: Er ist Ausdruck einer Haltung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist kein Randthema, sondern gesellschaftliche Realität – und Prävention beginnt lange vor dem ersten Hilfekontakt.

Auch in diesem Jahr wurde diese Haltung beim zentralen One-Billion-Rising-Event am Brandenburger Tor sichtbar. Zahlreiche Menschen kamen zusammen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und für Selbstbestimmung zu setzen – getragen von eindrucksvollen Choreografien, klaren politischen Botschaften und großem zivilgesellschaftlichem Engagement. Schirmfrau war in diesem Jahr Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, die damit die politische Bedeutung von One Billion Rising auf Bundesebene unterstrich.

Aufmerksamkeit schaffen, bevor Gewalt sichtbar wird

Ein zentraler Gedanke zog sich durch die politischen Redebeiträge: Prävention muss früh ansetzen. Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, formulierte es klar:

„Wir müssen zudem früher ansetzen und durch zielgerichtete Präventionsangebote verhindern, dass Gewalt überhaupt entsteht. Dazu gehört auch, in unserer Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit zu schaffen und klar Position zu beziehen. Und genau das tun wir heute hier.“

Diese Aussage verweist auf eine Herausforderung, die die aktuelle Dunkelfeldstudie LeSuBiA Link des Bundesinnenministeriums und des BKA deutlich macht: Ein erheblicher Teil geschlechtsspezifischer Gewalt bleibt unsichtbar. Viele betroffene Frauen und Mädchen wenden sich nicht an Beratungsstellen, erstatten keine Anzeige und tauchen in offiziellen Statistiken nicht auf. Prävention muss deshalb dort ansetzen, wo diese Unsichtbarkeit durchbrochen werden kann – niedrigschwellig, öffentlich und nicht stigmatisierend.

One Billion Rising als Teil einer erweiterten Präventionskette

Genau hier entfaltet One Billion Rising seine besondere Wirkung. Als öffentliches, künstlerisches und gemeinschaftliches Format erreicht die Aktion auch Menschen, die bestehende Hilfesysteme (noch) nicht kennen oder nutzen. Das Event schafft Aufmerksamkeit, benennt Gewalt klar als gesellschaftliches Problem und ermutigt dazu, Haltung zu zeigen. Damit ergänzt One Billion Rising die formalen Angebote von Schutz, Beratung und Nachsorge wirkungsvoll – und schließt eine Lücke zwischen gesellschaftlicher Realität und institutionellen Hilfesystemen.

Politische Verantwortung und klare Bekenntnisse

In seiner Videobotschaft betonte Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, das Recht von Frauen und Mädchen auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt. „Ihr seid nicht allein“, sagte er und unterstrich die Verantwortung des Berliner Senats, Schutz, Beratung und Hilfen weiter auszubauen.

Auf der Bühne machte Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, deutlich, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht hinnehmbar ist. Sie benannte Aufklärung, Prävention und sichere Zufluchtsorte als zentrale politische Aufgaben – und erinnerte zugleich daran, dass es neben politischen Entscheidungen die Zivilgesellschaft braucht, die nicht wegschaut, sondern handelt.

Mädchenarbeit der GSJ: Schutzräume, die das ganze Jahr tragen

One Billion Rising in Berlin wird seit 14 Jahren von Kolleginnen aus dem Mädchen- und JungenSportZentrum Centre Talma getragen. Ihre Arbeit ist Teil der GSJ, die seit über 30 Jahren präventiv mit Mädchen und jungen Frauen in Berlin arbeitet.
One Billion Rising ist dabei nicht nur am Brandenburger Tor präsent: Weitere Einrichtungen der GSJ tragen die Aktion am 14. Februar in die Berliner Bezirke – so bringen die MädchenSportZentren Kreafithaus und Pia Olymp One Billion Rising nach Lichtenberg, der SportJugendClub ARENA nach Treptow.

Die GSJ betreibt fünf MädchenSportZentren in Berlin:

  • Mädchen- und JungenSportZentrum Centre Talma, Reinickendorf
  • Mädchen*SportZentrum Alia, Kreuzberg
  • MädchenSportZentrum Wilde Hütte, Neukölln
  • MädchenSportZentrum Kreafithaus, Lichtenberg
  • MädchenSportZentrum Pia Olymp, Lichtenberg

Seit über 30 Jahren arbeitet die GSJ mit Mädchen und jungen Frauen, insbesondere aus sozial benachteiligten Lebenslagen. Die Arbeit ist fest in Berliner Sozialräumen verankert und verbindet pädagogische Fachlichkeit mit sport- und bewegungsorientierten Ansätzen sowie politischer Bildung und Beteiligung.

Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • die Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit
  • körperliche Selbstbestimmung und Grenzsetzung
  • Gewaltprävention
  • Beteiligung und politische Bildung

Die Angebote sind niedrigschwellig, ressourcenorientiert und langfristig angelegt. Sie folgen keiner kurzfristigen Projektlogik, sondern schaffen verlässliche Schutzräume – Orte, an denen Mädchen und junge Frauen gesehen, gestärkt und ernst genommen werden.

Dank, Anerkennung und der Blick nach vorn

Ein besonderer Dank gilt den Organisatorinnen aus dem Centre Talma, die One Billion Rising in Berlin seit vielen Jahren mit hoher Professionalität, großer Kreativität und persönlichem Engagement realisieren. Die diesjährigen Choreografien waren erneut bewegend, politisch klar und eindrucksvoll in ihrer künstlerischen Sprache.

One Billion Rising zeigt jedes Jahr, wie wichtig öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist. Zugleich wird deutlich, wie viel kontinuierliche Arbeit, fachliche Erfahrung und organisatorische Kraft notwendig sind, um diese Sichtbarkeit herzustellen und zu tragen. Mit der gewachsenen Bedeutung, Reichweite und Professionalität des Formats rückt damit auch die Frage nach verlässlichen strukturellen Rahmenbedingungen für seine langfristige Umsetzung in den Fokus.

Denn Gewaltprävention endet nicht am 14. Februar. Sie beginnt dort, wo früh angesetzt wird, Hilfsangebote sichtbar gemacht werden, Schutzräume dauerhaft bestehen und auch jene erreicht werden, die bislang im Dunkelfeld bleiben.

Fotos: Jürgen Engler

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veröffentlicht am: 20. Februar 2026

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