Viele Stimmen, ein Ziel: Das Jugend- und Kindergremium Friedrichshain-Kreuzberg startet

Geschrieben von lauriac am in Allgemein, Blog

Fast 100 Kinder und Jugendliche aus 39 Schulen kamen Ende Februar zur konstituierenden Sitzung des neuen Jugend- und Kindergremiums Friedrichshain-Kreuzberg zusammen. Sie wollen ihren Bezirk mitgestalten – bei Themen wie Verkehr, Parks, Schule oder Freizeit. Der erfolgreiche Start zeigt, wie groß das Interesse junger Menschen an politischer Beteiligung ist. Damit dieses Engagement langfristig Wirkung entfalten kann, braucht es jedoch weiterhin verlässliche pädagogische Begleitung und stabile Strukturen.

Am 27. Februar 2026 wurde im KiJuKuZ der Alten Feuerwache Kreuzberg ein neues Kapitel für die Beteiligung junger Menschen im Bezirk aufgeschlagen. Beim ersten Plenum des Jugend- und Kindergremiums Friedrichshain-Kreuzberg (JuKG) kamen 92 Kinder und Jugendliche zusammen, um den offiziellen Start des neuen Beteiligungsgremiums zu gestalten.

Das Interesse war bereits im Vorfeld groß: Insgesamt 118 Anmeldungen gingen ein, selbst nach Anmeldeschluss meldeten sich weitere interessierte junge Menschen. Trotz eines BVG-Streiks fanden sich Kinder und Jugendliche aus 39 Schulen im Bezirk und darüber hinaus von 9 bis 15 Uhr zusammen – ein starkes Zeichen dafür, wie groß das Bedürfnis ist, die eigenen Lebensräume aktiv mitzugestalten.

Ein Gremium von jungen Menschen für junge Menschen

Das JuKG ist eine Initiative des Kinder- und Jugendbeteiligungsbüros Friedrichshain-Kreuzberg (KJBb), das seit 2007 im Auftrag des Bezirksamtes von der GSJ – Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit gGmbH getragen wird.

Das KJBb versteht sich als Sprachrohr für die Interessen von Kindern und Jugendlichen und unterstützt sie dabei, ihre Anliegen selbst zu vertreten. Es vermittelt zwischen jungen Menschen und Politik sowie Verwaltung, stärkt Beteiligungskompetenzen und ist im Bezirk zentrale Fach- und Koordinierungsstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung.

Mit dem Jugend- und Kindergremium wird dieser Anspruch konkret. Hier greifen Jugendliche Themen auf, die ihren Alltag betreffen, und bringen ihre Perspektiven in politische Prozesse ein. Dazu gehören Fragen der Stadtplanung ebenso wie sichere Wege im Straßenverkehr, Parks und Sportplätze, Jugendfreizeiteinrichtungen, Schule, Migration oder Umwelt.

Der Auftakt: engagiert, organisiert, selbstbewusst

Mit dem ersten Plenum ist das JuKG erstmals in seiner gesamten Größe zusammengetreten und hat sich offiziell konstituiert.

Bemerkenswert war dabei die aktive Rolle der Jugendlichen selbst. Junge Menschen, die sich bereits in den vergangenen zwei Jahren in der Gründungsphase engagiert hatten, moderierten das Plenum und leiteten Workshops. Auch in der Vorbereitung brachten sich mehrere Jugendliche intensiv ein. Von Beginn an wurde deutlich: Dieses Gremium ist als Beteiligungsformat von jungen Menschen für junge Menschen angelegt.

Im Laufe des Tages entstanden auch erste Strukturen für die zukünftige Arbeit. Gewählt wurden eine zehnköpfige Koordinierungsgruppe, die künftig organisatorische Aufgaben übernimmt, sowie vier BVV-Entsandte, die an Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung teilnehmen und dem Plenum berichten werden.

Darüber hinaus bildeten sich mehrere thematische Arbeitsgemeinschaften. Zu den ersten Schwerpunkten gehören unter anderem:

  • Umwelt und Parks
  • Verkehr
  • Antidiskriminierung
  • Schule
  • Sport, Spiel und Kultur

In diesen Gruppen werden sich die Jugendlichen künftig mit konkreten Anliegen beschäftigen – von sicheren Fahrradwegen und mehr Zebrastreifen über Fragen des Schulalltags bis hin zu zusätzlichen Freizeit- und Bewegungsangeboten.

Neben der inhaltlichen Arbeit bot das Treffen auch Raum für Begegnung. In den Pausen wurde gemeinsam gespielt und Sport getrieben – unterstützt durch Angebote aus der sportorientierten Jugendsozialarbeit.

Beteiligung braucht Begleitung

Der große Zuspruch zeigt: Viele junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und ihren Bezirk mitgestalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass Beteiligung nicht von selbst funktioniert.

Demokratische Prozesse müssen gelernt werden. Wer politisch etwas verändern möchte, muss wissen, wie ein Antrag formuliert wird, auf welcher Ebene Entscheidungen getroffen werden und wie politische Abläufe funktionieren. Jugendliche brauchen Zugang zu politischen Gremien, Ansprechpartner:innen in Verwaltung und Politik – und Menschen, die ihnen helfen, diese Wege zu öffnen.

Auch Durchhaltevermögen gehört dazu. Politische Prozesse können langwierig sein. Ideen stoßen nicht immer sofort auf Zustimmung. Gerade dann ist es wichtig, Begleiter:innen zu haben, die ermutigen, nachzufragen, dranzubleiben und Anliegen weiterzuverfolgen.

Hinzu kommen organisatorische Aufgaben: Treffen koordinieren, Kontakte pflegen, Gespräche vorbereiten oder Ergebnisse dokumentieren. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung eines solchen Gremiums schnell – Jugendliche wechseln von der Schule in Ausbildung oder Studium, ziehen um oder setzen neue Schwerpunkte. Damit Engagement nicht jedes Jahr wieder bei null beginnen muss, braucht es Kontinuität und stabile Strukturen.

Eine Schule der Demokratie

Projekte wie das JuKG sind weit mehr als ein Beteiligungsformat. Sie sind Lernorte für Demokratie.

Hier erleben junge Menschen, wie Entscheidungen entstehen, wie Interessen ausgehandelt werden und warum Kompromisse notwendig sind. Sie lernen, ihre Positionen zu formulieren, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen.

Gerade dort, wo die Lebenswelt junger Menschen auf politische Strukturen trifft, braucht es Menschen, die beide Seiten kennen und vermitteln können. Pädagogische Fachkräfte begleiten diesen Prozess, erklären Abläufe und sorgen dafür, dass aus Engagement nachhaltige Beteiligung werden kann.

Damit Engagement Wirkung entfalten kann

Der Auftakt des Jugend- und Kindergremiums hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse junger Menschen ist, Verantwortung für ihren Bezirk zu übernehmen. Fast hundert Teilnehmende beim ersten Plenum sind ein starkes Signal.

Damit aus diesem Engagement jedoch nachhaltige Beteiligung entsteht, braucht es mehr als Motivation und gute Ideen. Politische Prozesse sind komplex und oft langwierig. Umso wichtiger ist eine kontinuierliche fachliche Begleitung, die Orientierung bietet, Kontakte ermöglicht und die notwendige Kontinuität sichert.

Das Jugend- und Kindergremium ist damit nicht nur ein Beteiligungsformat, sondern auch ein wichtiges Bindeglied zwischen jungen Menschen, Politik und Verwaltung im Bezirk.

Der erfolgreiche Start zeigt, welches Potenzial in diesem Ansatz steckt. Damit dieses Potenzial wachsen kann, braucht es auch künftig verlässliche Rahmenbedingungen und eine kontinuierliche pädagogische Begleitung. Nur so kann aus dem großen Engagement der jungen Menschen eine dauerhaft wirksame Beteiligungsstruktur entstehen.

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Fotos: KJBb

veröffentlicht am: 13. März 2026

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